Hochtouren von der Casati-Hütte

Vom 3. bis 5. Juli machte sich eine sechsköpfige Gruppe auf den Weg ins Ortlergebiet. Eigentlich stand der Monte Cevedale auf dem Programm. Da die Anreise nach Südtirol jedoch recht lang ist, wurde der erste Tag bewusst entspannt geplant: Ziel war lediglich der Aufstieg zur Marteller Hütte, auf der bereits die Übernachtungen für die nächsten beiden Nächte reserviert waren.

Zur Hütte führen mehrere Wege. Zwei Teilnehmer entschieden sich für die Variante über die Zufallhütte, da diese angeblich etwas kürzer sein sollte. Irgendwann vertrauten sie jedoch einem falsch aufgestellten Wegweiser mehr als ihrem Orientierungssinn. Dass die Teilnehmerin der kleinen Gruppe von Anfang an meinte, der Weg könne nicht stimmen, wurde zunächst ignoriert – bis sich ihre weibliche Intuition schließlich als vollkommen richtig herausstellte. Nach einem kleinen Umweg trafen die beiden trotzdem nur wenig später als der Rest der Gruppe an der Hütte ein.

Nach dem Aufstieg war die Vorfreude auf die berühmte italienische Küche groß. Die Realität sah etwas anders aus: Als Vorspeise gab es Penne mit einer Art Bolognese – und zwar an beiden Abenden. Der Hüttenwirt machte ohnehin schnell klar, wie die Speisekarte funktioniert. Mit seinem eher schwer verständlichen Deutsch lautete die tägliche Erklärung ungefähr: „Nicht fragen, was gibt – vegetarisch oder nicht?“ Viel Auswahl gab es also nicht, geschmeckt hat es trotzdem.

Am Abend wurde die Tour für den nächsten Tag besprochen. Laut Hüttenwirt wählen die meisten den Weg über die Zufallspitze zum Monte Cevedale. Allerdings verschwinden dort irgendwann die Markierungen, weshalb man sich an den Spuren der Vorgänger orientieren müsse. Als Alternative wurde die Route über den Gletscher zur Drei-Kanonen-Spitze und anschließend weiter zum Cevedale vorgeschlagen. Am Abend fiel zunächst die Entscheidung für diese Variante, doch nach einem Blick auf die Karte wurde am nächsten Morgen spontan der Normalweg über die Casatihütte gewählt.

Dieser entpuppte sich allerdings als deutlich länger als gedacht. Zunächst mussten sogar rund 300 Höhenmeter abgestiegen werden, bevor der eigentliche Anstieg begann. Gestartet wurde zu einer Uhrzeit, zu der selbst die Murmeltiere noch schliefen. Trotzdem wurde die Casatihütte erst gegen 11 Uhr erreicht – nach fast sechs Stunden Gehzeit. Zu diesem Zeitpunkt hätten noch rund 500 Höhenmeter über den Gletscher bis zum Monte Cevedale in der prallen Mittagssonne angestanden. Vernunft ging an diesem Tag vor Gipfelglück, und so entschied sich die Gruppe, den Cevedale auszulassen.

Stattdessen führte der Weg über die Drei-Kanonen-Spitze zurück zur Marteller Hütte. Im Nachhinein war das vielleicht sogar die schönere Entscheidung. Auf etwa 3.300 Metern stehen tatsächlich drei Kanonen aus dem Ersten Weltkrieg – ein Anblick, den wohl niemand dort oben erwartet. Gleichzeitig bot sich ein beeindruckendes Panorama auf den mächtigen Ortler und die benachbarte Königspitze. Über den Gletscher ging es anschließend zurück zur Hütte, die nach rund zwölf Stunden Gehzeit von allen mit großer Freude erreicht wurde.

Für den dritten Tag stand die Besteigung der Köllkuppe auf dem Programm. Die Route führte zunächst über den Gletscher und anschließend über einen aussichtsreichen Grat mit leichter Kletterei zum Gipfel. Endlich konnte die komplette Hochtourenausrüstung zum Einsatz kommen: Seil, Helm und Steigeisen. Zugegeben – nicht jedes Ausrüstungsteil wäre zwingend notwendig gewesen, aber auf den Erinnerungsfotos macht eine vollständige Seilschaft einfach deutlich mehr Eindruck.

Eine kleine Besonderheit wartete am Gipfel: Während der Wind den ganzen Aufstieg über kräftig blies, herrschte oben nahezu völlige Windstille. Nach einer ausgiebigen Gipfelpause ging es über denselben Grat und den Gletscher zurück zur Marteller Hütte.

Nach einer letzten Stärkung begann schließlich der Abstieg ins Tal. Am Parkplatz angekommen, wartete nur noch die lange Heimfahrt – diesmal allerdings mit vielen schönen Eindrücken, einigen lustigen Geschichten und der Erkenntnis, dass nicht jede Tour genau nach Plan verlaufen muss, um ein voller Erfolg zu sein.

Tourenleiter: Cordian Petrick

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